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Master-Symposium 2020

Hochschule der Künste Bern / HKB

Können Maschinen kreativ sein?

6. – 7. Mai 2020, jeweils 10h00 – 17h00
Sprache: Deutsch (mit z.T. Französisch und Englisch)

MA Contemporary Arts Practice
Hochschule der Künste Bern
Schwabstrasse 10, Multifunktionsraum 110
3018 Bern

 

Können Maschinen kreativ sein?
Eine praktische Einführung in Machine Learning/ein Verwirrspiel in ästhetischer Theorie mit Roland Fischer und Gästen

Künstliche Intelligenz ist nicht einfach eine umwälzende neue Technologie, es ist ein philosophischer (Zerr)Spiegel. Und so führt die Frage des Titels auf direktem Weg zurück zur (menschlichen) künstlerischen Praxis: Wie wird diese erlernt, innerhalb welcher Referenzsysteme vollzieht sie sich, wer hat die Deutungshoheit über gelungene und gescheiterte Kreativität? Und könnte es tatsächlich sein, dass die Kreativität die letzte Bastion ist, auf die sich die Menschen zurückziehen können, wenn Maschinen immer mehr menschliche Domänen erobern: Konversationsfähigkeit, Rechtsverständnis, wissenschaftlich-logisches Denken, letztlich sogar Empathie (aka emotion recognition)? Darauf deuten jedenfalls jüngste Meilensteine aus dem Feld der Gaming-KI hin. Als die Google-KI AlphaGo einen Grossmeister des asiatischen Brettspiels Go schlug - was noch vor ein paar Jahren als schier unlösbare KI-Aufgabe galt -, schwärmten Experten bald von den verblüffenden und wunderschönen Strategie-Varianten, die AlphaGo gefunden und von denen kein Mensch je geträumt hatte. Hatte der Machine-Learning-Algorithmus beim Lernen seine Kreativität entdeckt?

Der zweitägige Workshop verschränkt insofern zweierlei Zugänge zur Thematik:

Präsentation verschiedener 'kreativer'/schöpferischer KI-Modelle und praktische Auseinandersetzung mit der Technologie: ausgesuchte Methoden maschinellen Lernens (Supervised vs. Reinforcement Learning) können ausprobiert werden, inklusive der Möglichkeit, eigene Modelle zu trainieren und Unterschiede zwischen verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen zu diskutieren (wie geht die Maschine mit Text, Bild, Musik um).

Reflektion der eigenen künstlerischen Praxis und des Referenzrahmens, durch den sie Stabilität gewinnt: Wie weiss der Künstler, dass er gute Kunst macht? Wie wird er ein immer besserer Künstler? Welche Rolle spielt das Scheitern dabei, die Unmöglichkeit der Perfektion? Würde sich ein solches Wissen oder eine solche emanzipatorische Praxis in ein maschinelles System übersetzen lassen? Oder stellen Kreativität bzw. künstlerische Autonomie letztlich 'unlernbare' Materie dar?

Bio: Roland Fischer ist freier Wissenschaftsjournalist und verbindet als Kurator in diversen Formaten Technologie, Wissenschaft und Kunst.